Lieder der Freiheit

Auf dieser Seite wollen wir möglichst viele traditionelle und aktuelle Liedtexte sammeln und veröffentlichen, die sich mit dem Themenkreis Entwicklung von Freiheit und Demokratie in Deutschland befassen. In den Jahren 2023/24 wollen wir viele dieser Lieder im Freilichttheater am Bergfried erklingen lassen.
Ihre Beiträge und Vorschläge richten Sie bitte an: liederderfreiheit@bruchsal-bergfried.de.

Badisches Wiegenlied
Ein Lied des Dichters Ludwig Pfau, in dem eine Kriegerwitwe den Tod des Vaters ihres Kindes beklagt, geschrieben 1849 nach der Niederschlagung der Badischen Revolution durch preußische Truppen.

1. Schlaf’, mein Kind, schlaf leis’,
Dort draußen geht der Preuß’,
Deinen Vater hat er umgebracht,
Deine Mutter hat er arm gemacht,
Und wer nicht schläft in guter Ruh’,
Dem drückt der Preuß’ die Augen zu.
Schlaf’, mein Kind, schlaf leis’,
Dort draußen geht der Preuß’,

2. Schlaf’, mein Kind, schlaf leis’,
Dort draußen geht der Preuß’,
Der Preuß‘ hat eine blut’ge Hand,
Die streckt er über’s badische Land,
Und alle müssen stille sein
Als wie dein Vater unterm Stein
Schlaf’, mein Kind, schlaf leis’,
Dort draußen geht der Preuß’,

3. Schlaf’, mein Kind, schlaf leis’,
Dort draußen geht der Preuß’,
Zu Rastatt auf der Schanz’,
Da spielt er auf zum Tanz,
Da spielt er auf mit Pulver und Blei,
So macht er alle Badener frei.
Schlaf’, mein Kind, schlaf leis’,
Dort draußen geht der Preuß’,

4. Schlaf’, mein Kind, schlaf leis‘,
Dort draußen geht der Preuß’,
Gott aber weiß, wie lang er geht,
Bis daß die Freiheit aufersteht,
Und wo dein Vater liegt, mein Schatz,
Da hat noch mancher Preuße Platz.
Schrei, mein Kindlein, schrei’s:
Dort draußen liegt der Preuß!

Die Gedanken sind frei
Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten?
Sie fliegen vorbei, wie nächtliche Schatten
Kein Mensch kann sie wissen, kein Jäger erschießen
Es bleibet dabei: Die Gedanken sind Frei!

Und sperrt man mich ein in finstere Kerker
das alles sind nur vergebliche Werke.
Denn meine Gedanken zerreissen die Schranken
Und Mauern entzwei: Die Gedanken sind frei!

Ich denke, was ich will und was mich beglücket
Alles in der Still‘, und wie es sich schicket.
Mein Wunsch mein Begehren, kann niemand verwehren
Denn es bleibet dabei: Die Gedanken sind Frei!

Zusatzstrophe von Romuald Kernbeißer:
Ich denke, was ich will und was mich beglücket.
Doch gar nicht in der Still, nicht wie es sich schicket.
Halt nicht meinen Schnabel. Halt nich meinen Schnabel.
Es bleibet dabei: Auch die Rede ist frei!

Badisches Bürgerlied
Ob wir rote, gelbe Kragen, Helme oder Hüte tragen,
Stiefel tragen oder Schuh;
Oder ob wir Röcke nähen und zu Schuhen Drähte drehen:
Das tut, das tut nichts dazu.

Ob wir können präsidieren oder müssen Akten schmieren
Ohne Rast und ohne Ruh;
Ob wir just Collegia lesen oder aber binden Besen:
Das tut, das tut nichts dazu.

Ob wir stolz zu Rosse reiten, oder ob zu Fuß wir schreiten
Fürbass uns`rem Ziele zu;
Ob uns Kreuze vorne schmücken oder Kreuze hinten drücken:
Das tut, das tut nichts dazu.

Aber ob wir Neues bauen oder Altes nur verdauen,
Wie das Gras verdaut die Kuh;
Ob wir in der Welt was schaffen oder nur die Welt begaffen:
Das tut, das tut was dazu.

Ob im Kopfe etwas Grütze und im Herzen Licht und Hitze;
Dass es brennt in einem Nu;
Oder ob wir hinter Mauern stets im Dunkeln träge kauern:
Das tut, das tut was dazu.

Ob wir rüstig und geschäftig, wo es gilt, zu wirken kräftig,
Immer tapfer greifen zu;
Oder ob wir schläfrig denken: Gott wird`s schon im Schlafe schenken:
Das tut, das tu was dazu.

Drum Ihr Bürger, drum Ihr Brüder, alle eines Bundes Glieder,
Was auch jeder von uns tu;
Alle, die die Lied gesungen, so die Alten wie die Jungen:
Tun wir, tun wir was dazu.

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