Lernort Freiheit Bergfried Bruchsal

Konzept für einen Lernort „Freiheit und Demokratie“ auf dem Gelände der ehemaligen Synagoge und des Alten Feuerwehrhauses der Stadt Bruchsal

Mit einem Grundsatzpapier zur Konzeption des von der Stadtverwaltung angeregten „Denkortes Fundamente“ hat sich der „Förderverein Lernort Bergfried“ jetzt in die Diskussion zur Nachnutzung des Synagogen-Feuerwehrhaus-Geländes eingeschaltet. Ziel dieses Papiers ist es, für die Innenstadt von Bruchsal eine neue historische Erzählung zu entwickeln, die weit über eine staatsbürgerliche Fortbildungsanstalt für Feuerwehrleute und andere uniformierte Strukturen hinausgeht. Es geht darum, vor allem für junge Generationen einen Begegnungsort zu entwickeln, an dem wichtige Epochen der Bruchsaler Stadtgeschichte beispielshaft für die Demokratiewerdung Deutschlands aufgearbeitet und dargestellt werden können. Dabei wird auch angeregt, Teile des Städtischen Museums vom Schloss in den künftigen „Denkort Fundamente“ zu verlegen und dies in enger Abstimmung mit dem vorgeschlagenen „Geschichtshaus Badischer Juden“ und in einer Vernetzung mit anderen historischen Plätzen in der Stadt, zum Beispiel Bergfried und Bürgerpark.

Das Papier wurde vom Bruchsaler Historiker Dr. Jürgen Dick erarbeitet, der vor allem ein Spezialist der bürgerlichen Revolutionen von 1848/49 ist. Dick führt dabei aus: „In der historischen Selbstdarstellung der „Barockstadt“ Bruchsal dominiert ganz eindeutig das, wie es im offiziellen Internetauftritt der Stadt heißt, „glanzvolle 18. Jahrhundert“ mit seinen von den Speyerer Fürstbischöfen errichteten Prunkbauten, dem Barockschloss, dem Belvedere und der Peterskirche. Das ist selbstverständlich legitim und nachvollziehbar, zumal es sich, vor allem bei dem Schloss, auch um touristische Attraktionen handelt, die das Stadtbild prägen und deutlich sichtbarer Ausdruck unserer Geschichte sind. Wenn in unserer Erinnerung die Rolle der Fürsten als „Kulturmäzene“ allzu oft unkritisch in den Vordergrund gestellt wird, darf allerdings nicht vergessen werden, dass sie diese Rolle nur auf der Grundlage der feudal-ständischen Gesellschaftsordnung mit einer massiven sozialen Ungleichheit und der damit verbundenen Machtstrukturen (Absolutismus) ausüben konnten. Eine ausgewogene Erinnerungskultur muss daher auch die Geschichte des seit Beginn des 19. Jahrhunderts aufstrebenden Bürgertums im Blickfeld haben mit ihren Vorkämpfern für Menschen- und Freiheitsrechte, die uns heute selbstverständlich sind.“
das ganze Dokument hier

Bruchsal und die Freiheitsgeschichte Deutschlands

Historische Lesung im Rahmen des Bruchsaler Kultursommers am 8. August 2021 im Atrium des „Bürger“-Zentrums

Anmeldung (unbedingt erforderlich) unter: https://anmeldung.bruchsal.digital.

Bereits im Kultursommer des Jahres hatte der Förderverein „Lernort Bergfried Freiheit-Bürgerrechte-Demokratie“ mit einer eindrucksvollen Lesung vor allem die demokratische Vorgeschichte der Bruchsaler Innenstadt präsentiert: die Bauernkriege und die bürgerliche Revolution der Jahre 1848 und 1849. In beiden Geschichtsepochen gab es auch in Bruchsal eine ganze Reihe von bemerkenswerten Ereignissen, die allerdings nach wie vor kaum Beachtung in der Geschichts-Diskussion der Stadt finden. Auch in diesem Jahr hat der Förderverein eine historische Lesung zusammen gestellt, die erneut vor allem das Geschehen im vorletzten Jahrhundert, der Revolution von 1848/49 beleuchtet, aber auch die bis heute kaum beachtete Epoche des Soldatenaufstandes von 1918. Wie schon im vergangenen Jahr wartet die Lesung auch mit einer kritischen Bestandsaufnahme des Geschichtsverständnisses verschiedener offizieller Stellen der „Barockstadt“ auf. Unterhaltende Momente bieten Texte aus 30 Jahren Bruchsaler Stadtkabarett, die sich mit dem Thema befassen, und einige Lieder aus den dargestellten Geschichtsepochen.

Dazu hat der Förderverein einige prominente Mentoren, u.a. den früheren Bundespräsidenten Horst Köhler, der im Jahr 2009 zum Thema „1848 – Erbe und Verpflichtung“ erklärte:

„Ohne 1848 gäbe es unser demokratisches Gemeinwesen nicht, so wie wir es heute kennen. Ohne Vorkämpfer wie Brentano und dessen demokratischen Mitstreitern gäbe es nicht unsere Verfassung, die 1949 beschlossen wurde: unser Grundgesetz. Umso höher sollten wir zu schätzen wissen, was seit 1949 erreicht worden ist. In unserer freiheitlichen Demokratie und in der alle Lebensbereiche prägenden Geltung der Grundrechte sind die zentralen Bestrebungen von 1848 verwirklicht.“

Die ursprünglich vorgesehene Geschichts-Lesung der Ereignisse des letzten Jahrhunderts – Weimar, NS-Diktatur, 2. Weltkrieg, Nachkriegszeit u.a. – werden in einer dritten Lesung im Herbst aufgearbeitet.

Veranstalter:„Förderverein Lernort Bergfried – Freiheit-Bürgerrechte-Demokratie“.
Mitwirkende: Karl-Heinz Mosthav, Gernot Oberst, Bruno Wallisch, Dr. Erhard Jöst (Heilbronn/Gast).
Zusammenstellung und Moderation: Dr. Jürgen Dick, Rainer Kaufmann.
Beginn 12:00 Uhr, Dauer: ca. 1,5 Stunden.
Anmeldung (unbedingt erforderlich) unter: https://anmeldung.bruchsal.digital.

Fraktionen stehen hinter Synagogen-Plänen. Wirklich?
Bemerkungen zu einem Artikel in der Bruchsaler Rundschau vom 17.4.2021

Von Rainer Kaufmann

Nach einer Umfrage unter den Gemeinderatsfraktionen steht für die Bruchsaler Rundschau fest: Die Mehrheit des Bruchsaler Gemeinderats äußert sich positiv zum geplanten „Denkort Fundamente“ auf dem Gelände der ehemaligen Synagoge, später dann Feuerwehrhaus. Bei einer genaueren Analyse bleiben jedoch einige Zweifel. Hinter dem Fazit der Rundschau, „der Knoten scheint geplatzt zu sein und der Weg für eine Neubebauung könnte schon bald frei werden“, steht nämlich eine ganze Reihe von Fragezeichen. Zur Erinnerung: Vor einigen Wochen hatte sich die Stadtverwaltung in einer Klausurtagung des Gemeinderats zunächst einmal grünes Licht für das Konzept eingeholt, auf dem Gelände eine dreifache Nach-Nutzung durch die Erweiterung der Handelslehranstalt, durch ein „Haus des jüdischen Lebens in Baden und im Kraichgau“ und durch eine staatsbürgerliche Bildungsstätte für die Landesfeuerwehrschule in Bruchsal, einen so genannten „Lernort Feuerwehr“ anzudenken. „Denkort Fundamente“ bezeichnete die Oberbürgermeisterin das Projekt, das sie fortan zur „Chefinnen-Sache“ erklärte, will sagen, dass sie sich mit ihrem vollen politischen Gewicht für die Sache einsetzen wird. Damit hat sie persönliche Verantwortung übernommen, egal ob dem Projekt Erfolg beschieden sein wird oder ob es scheitert. weiterlesen

Entstehung demokratischer Feuerwehren im Vorfeld der Revolution von 1848/49

Kommentar des Bruchsaler Historikers Dr. Jürgen Dick zum Vorschlag „Staatspolitische Bildungsanstalt Feuerwehr“ auf dem Gelände der früheren Synagoge in Bruchsal

Der „Lernort Feuerwehr“ wäre, wenn man die Begründung von Hauptamtsleiter Müller zugrunde legt – überspitzt ausgedrückt – eine „staatspolitische Erziehungsanstalt“ zur Prophylaxe rechtsgerichteter Tendenzen in einer hierarchisch strukturierten Institution. Als Angehöriger der Feuerwehr, insbesondere der Freiwilligen Feuerwehr, würde ich mich dagegen wehren, in einen solchen Generalverdacht gestellt zu werden. Die Idee der Freiwilligen Feuerwehr auf kommunaler Ebene war Teil des erwachenden Vereinswesens in der Mitte des 19. Jahrhunderts und hat starke Verbindungen mit der demokratischen Bürgerbewegung im Vorfeld der Revolution von 1848. Die damals gegründeten Feuerwehren beruhten auf freiwilliger, aktiver, selbständiger Mitarbeit im Rahmen von Eigenverantwortung und Selbstverwaltung der Bürger, losgelöst von obrigkeitlichen Strukturen. weiterlesen

Mutige Vision: Denk-Ort Fundamente


Kommentar von Rainer Kaufmann zur Pressekonferenz „Nachnutzung des ehemaligen Synagogen-Geländes“

Keine Frage: Da hat sich die Bruchsaler Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick ganz weit aus dem Fenster gelehnt, indem sie das Thema Nachnutzung des früheren Synagogen-Geländes zur ihrer Sache erklärt hat, zur Sache der Chefin im Bruchsaler Rathaus. Und damit weiß sie ganz sicher auch, dass sie sich später an diesem Anspruch und an den Visionen, die sie aktuell damit verbunden hat, wird messen lassen müssen. Die Messlatte hat sie selbst gelegt und sie liegt recht hoch. Das verlangt zunächst einmal gebührenden Respekt. weiterlesen:Mutige Vision: Denk-Ort Fundamente

Brentano und der 1. März

Unkonventionelle Gedanken zum einem Gedenktag
Auf Heimatkunde-TV haben wir vor wenigen Tagen dieses Video veröffentlicht, das natürlich zum heutigen Tag, dem 1. März, passt: Brentano und der 1. März
Die zu erwartende Diskussion über diesen Beitrag hat erfreulicherweise begonnen und soll auf dieser Webseite fortgesetzt werden. Dazu bitte die Kommentar-Funktion benutzen.
Dieser Stellungnahme erreichte mich gestern per email. Ich denke aber, dass der Text danach verlangt, veröffentlicht zu werden, wobei ich selbstredend den Autor, einen guten Bekannten von mir, nicht nenne. Hier seine Anmerkungen in Original-Kopie seiner E-mail: weiterlesen

Stadtführung mit Otto-Oppenheimer-Denkmal

Das Otto-Oppenheimer-Denkmal, genannt das „Narrenschiff“, ist am Freitag, 2. Oktober, zum ersten Mal letzte Station bei der alternativen Stadtführung „Vergessenes Bruchsal“ von Rainer Kaufmann, veranstaltet von der BTMV. Die Führung beginnt um 18:00 Uhr am Bergfried. weiterlesen

Aktuelle Meldung (4)

GURS-Schweigemarsch durch Bruchsal am 22. Oktober 2020

Gemeinsame Aktion der Fördervereine „Haus der Geschichte der Juden in Baden“ und „Lernort Bergfried-Bruchsal“

Am 22. Oktober 1940 wurden im Rahmen der sog. „Wagner-Bürckel-Aktion“ über 6.500 Juden aus Baden und der Saarpfalz in das französische Internierungslager Gurs deportiert, darunter 122 jüdische Bürgerinnen und Bürger aus dem Landkreis Bruchsal, davon 79 Bruchsalerinnen und Bruchsaler. Fast zwei Drittel davon waren älter als 50 Jahre, etliche davon im Alter zwischen 70 und 82 Jahren, darunter aber auch sieben Kinder im Alter zwischen acht und 15 Jahren. Durch die schlechte Versorgungssituation, die katastrophalen hygienischen Zustände, Regen und Kälte starben viele Deportierte bald nach ihrer Ankunft in Gurs. Ein Großteil der Ausgewiesenen wurde später nach Auschwitz verschleppt und dort ermordet. weiterlesen

Aktuelle Meldung (3):

In Baden geächtet – in Amerika geachtet
Zum Todestag des badischen liberalen Politikers Lorenz Brentano

Von Dr. Jürgen Dick

Lorenz Brentano (1813-1891)

Am 17. September 1891, also heute vor 129 Jahren, starb in Chicago/USA der badische Politiker und demokratische Revolutionsführer von 1849 Lorenz Brentano. Der am 4. November 1813 in Mannheim geborene Rechtsanwalt setzte sich bereits als Abgeordneter der 2. Badischen Ständekammer in den 1840er Jahren für demokratische Grundrechte, die politische Mitbestimmung des Volkes und die Emanzipation der Juden ein. Als sich 1846 die liberale Kammeropposition in gemäßigte Liberale und entschiedene Demokraten spaltete, schloss er sich den Demokraten an. weiterlesen

Aktuelle Meldung (2):
24. August 2020
Gründung des Fördervereins Lernort Bergfried Bruchsal
Freiheit, Bürgerrechte und Demokratie

Am Mittwoch 19. August hat sich im Atrium am Bergfried der Förderverein gegründet, der unser Anliegen künftig in Politik und Gesellschaft nachhaltig positionieren soll. Anwesend waren zehn Gründungsmitglieder. In den Vorstand wurden gewählt: Rainer Kaufmann (1. Vorsitzender), Eberhard Schneider (2. Vorsitzender) und Özgür Sahin (Schriftführer).

Der Verein wird so schnell als möglich registriert werden, außerdem wird die Gemeinnützigkeit beantragt. Wer Mitglied werden will im Verein, kann per email einen Aufnahmeantrag und eine Kopie der Satzung anfordern: lernort-freiheit@bruchsal-bergfried.de. weiterlesen

Aktuelle Meldung (1) – wichtiger Termin
Mitte August 2020
Am Sonntag, 26. Juli um 19:00 Uhr bieten wir im Rahmen des Bruchsaler Kultursommers eine einstündige Lesung mit dem Titel: „Bergfried Bruchsal – Lernort Freiheit und Demokratie“. Nach dem schönen Erfolg unserer Lesung im Bruchsaler Kultursommer gilt es nun, das Projekt „Lernort Freiheit – Bergfried Bruchsal“ konkret anzugehen. Dazu wollen wir in Kürze einen Förderverein gründen. Natürlich wünschen wir uns viele Mitglieder, die unser Anliegen unterstützen. Wer Interesse hat, darf sich gerne melden unter: lernort-freiheit@bruchsal-bergfried.de. Wir schicken dann sofort alle notwendigen Informationen. Hier noch der Bericht aus der Bruchsaler Rundschau: weiterlesen

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Rolf Schmitt

2 Kommentare zu „Lernort Freiheit Bergfried Bruchsal“

  1. Peter L. Petersen

    Mein Vorschlag. Am 25. August 2021 jährt sich der Geburtstag von Ludwig Pfau zum 200. Mal. Wie wäre es da mit einer Dichterlesung? Der in Heilbronn geborene Pfau gab in der Märzrevolution 1848 die Satirezeitschrift Der Eulenspiegel heraus, auf die heute noch die gleichnamige Bruchsaler Gaststätte in der Friedrichstraße Bezug nimmt.

    Während Bruchsal seine revolutionäre Vergangenheit gerne verschweigt und bei diesem Thema in den hiesigen Ämtern gerne rumgedruckst wird, gerne auch die Demokraten als Wirtshauskrakeler verunglimpft werden, ist der Revolutionär Ludwig Pfau Ehrenbürger der Stadt Heilbronn.

    1. Rainer Kaufmann

      So rundet sich das Bild der Bruchsaler Geschichte. Der heutige „Eylenspiegel“ war einmal das Cafe Bellosa, und das noch lange nach dem 2. Weltkrieg. Und Moritz Bellosa, offensichtlich ein Verwandter des damaligen Gastwirts, war einer der Anführer der Badischen Volksvereine in Bruchsal. Er war der Gärtner von Lorenz Brentano, dem kurzzeitigen Chef der Revolutionsregierung in Karlsuhe und damals Bürger von Bruchsal. Das sind die Geschichten, die den „Lernort Freiheit Bergfried Bruchsal“ erzählen können. Eine Dichterlesung am 25.8.2021 ist fest vorgemerkt. Vielleicht sogar im „Eylenspiegel“. Wär doch was. Oder nicht?

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